Erfahrungsbericht Rauchstopp ohne Hilfsmittel

Geht nicht? Geht. Ohne Akupunktur, Psychologe, Nikotinpflaster und was es sonst noch so gibt. 

Mit Rauchen aufzuhören ist ein prima Thema, um über den Umgang mit Entscheidungen nachzudenken, so nebenbei. 

Der Reihe nach. Ein Lieblingsmensch sagt mehr oder weniger im Vorbeigehen, mit Rauchen kann ich eh auch grad aufhören, wo ich dabei bin, mein Leben neu zu organisieren (das ist sehr frei zitiert, ich weiß 😉 ). Es ist nicht das erste Mal, dass mir das gesagt wird. Einige Wochen zuvor äußerte es bereits ein guter Bekannter, der selber vor Jahren aufgehört hat. 

Zu dem Zeitpunkt war ich absolut nicht bereit dazu. Ich muss hier nichts über die Gründe erzählen, wieso man raucht. Darum geht es nicht in diesem Beitrag. 

Diesmal sagt es ein Mensch, der die Neuausrichtung meines Lebens unmittelbarer mitbekommt, als irgendjemand sonst. Ich sträube mich, weil ich das Aufhören fürchte. Jeder Raucher, der schon mal versucht hat aufzuhören, versteht mich. Aber erstens passt mir die Art und Weise, wie er es sagt und zweitens hat er recht. Ich lasse im Augenblick so viel los, dass es darauf auch nicht mehr ankommt. Es ist auch nicht so, dass ich nicht selber schon einige Mal dran gedacht hätte in den letzten Jahren. 

Ein paar Tage zögere ich, vielleicht auch einen ganzen Monat. Der Lieblingsmensch wiederholt es noch einmal in dieser Zeit, ganz ruhig und druckfrei. Da weiß ich bereits, dass ich sicher aufhören werde, nur der Tag X ist noch nicht definiert. Ich rede nicht darüber, aber ich denke oft daran. Eine Rauchstopp-App lade ich mir runter, damit sie dann da ist, wenn es losgeht. Diese brauche ich nur, damit sie mir die Tage vorrechnet, die ich schon geschafft habe. 

Wenn ich Kaffee trinke, an irgendeinem Game sitze und rauche, frage ich mich bei jeder Zigarette, ob ich die jetzt auch einfach sein lassen könnte. Antwort klar: NEIN. Ich kenne mich gut genug, um zu wissen, wie es funktionieren wird und wie nicht. Es gibt eine einzige Möglichkeit: An irgendeinem schönen Tag einfach die letzte Zigi rauchen und dann ist Schluss mit dem Gepaffe. Es gibt die Empfehlung, das Rauchen laufend weiter zu reduzieren. Davon halte ich nichts. Entweder bin ich Raucher oder Nichtraucher.

Und dann ist der Moment der Entscheidung zum Zeitpunkt da: Wenn ich jetzt keine Zigaretten kaufe, werden am nächsten Tag keine mehr im Haus sein. Natürlich kann ich welche an einer Tankstelle nachkaufen, aber bitte, ich habe meinen Stolz. Und wenn ich eine Entscheidung treffe, ist sie definitiv.
Leicht besorgt bin ich schon, wenn ich zusehe, wie die Raucherware langsam zur Neige geht. Aber ich bleibe standhaft. Immerhin bin ich ziemlich stolz auf meinen Umgang mit Entscheidungen. 

Die letzte Zigarette

Der letzte Rauchertag ist da. Es wird Abend, bis die letzte Kippe ausgedrückt ist. Ich starte die App und verkünde einem sehr kleinen Kreis von lieben Menschen – darunter dem einen Lieblingsmenschen, der mir den Floh definitiv ins Ohr gesetzt hatte –  dass ich die letzte Zigarette geraucht habe. So. Von nun an heißt es einfach “aushalten bis überstanden”.

Heute ist genau Tag 50 meines Wieder-Nichtraucherlebens. Es ging viel besser, als befürchtet. Ersatzfressen blieb aus, allerdings habe ich wirklich zugenommen, so wie es als Nebenwirkung erzählt wird. Der Grund ist einfach: Vorher konnte ich den Hunger oder Gelüste wegrauchen. Ich konnte problemlos 14h mit Zigaretten und Kaffee durchhalten, ohne etwas zu essen. Jetzt esse ich eben was. 

Spielt keine Rolle. Diese gespeicherten Kalorien werde ich bei Bedarf eliminieren. Das hat im Moment keine Priorität. 

Wovor sich wahrscheinlich alle Raucher am meisten fürchten, wenn es ums Aufhören geht, sind die Krisen. Ich rede von Anfällen, Schüben, Wutausbrüchen, Heulkrisen, Selbstverachtung und so weiter. Und auch das ging praktisch an mir vorbei. In den letzten 50 Tagen musste ich einige Male mit mir reden, wobei ich gestehen muss, dass ich sehr streng bin mit mir. Der geringste Gedanke an eine Zigarette und ich stellte mich zu Boden, resp. vor den Spiegel, wo ich mir ins Gesicht sagte, dass ich mich nicht so aufführen und mich gefälligst zusammen nehmen soll. Ich kann recht autoritär sein, auf jeden Fall hat es gewirkt.

Dass die Aktion Raucherentwöhnung so problemlos verlief, liegt an der liebevollen Unterstützung durch diesen einen ganz besonderen Lieblingsmenschen und daran, dass mir das damit verbundene Ziel ungeheuer wichtig ist.

Für mich ist der sofortige Rauchstopp die einzig richtige Methode. Grund oder Gründe kennen, die das Aufhören richtig machen, Entscheidung treffen und danach handeln, fertig.

Gedankenanstöße für zukünftige Nichtraucher …

… die vielleicht schon beim Versuch aufzuhören gescheitert sind.

“Versuch”: Nein, du willst es nicht versuchen, du willst es tun.

Hilfsmittel: Du brauchst keine Hilfsmittel, um mit Rauchen aufzuhören. Du willst ja etwas weg lassen. Wieso willst du es ersetzen mit Nikotinkaugummi, Guru, Büchern, Schokolade etc.? Schau mal die Taube auf Nachbars Dach. Raucht sie? Nein. Benutzt sie stattdessen Nikotinkaugummis, Gurus, Bücher, Schokolade? Nein. Also. Wieso solltest dann du das müssen? Lass es einfach weg. 

Du brauchst auch niemanden, der dir sagt, dass du das kannst. Vielleicht noch gerade meinen Beitrag hier, aber sonst bist du auf keinen Fall darauf angewiesen. Du alleine und wirklich nur du bist nötig, um dich selbst zu ermächtigen, etwas zu tun, zu lassen oder zu können. Wenn du sagst, du schaffst es, mit Rauchen aufzuhören, dann ist es so. Mach dich nicht von anderen abhängig. Nicht beim Thema Rauchstopp und bei keinem anderen sonst. 

Tipp: Verzichte auf das Spielchen, Rauchen über Monate zu reduzieren. Hör einfach auf. Ich habe tatsächlich irgendwo gelesen, dass sofortiger Rauchstopp gefährlich ist wegen blablabla (hab ich vergessen). Es ist einfacher, wenn Zigaretten, Aschenbecher und Feuerzeug aus dem Leben raus sind. Feuerzeug aber nicht wegwerfen, nur irgendwo verstauen. Nicht weil du ja doch wieder rauchen wirst – wirst du nicht – sondern weil der Mensch hin und wieder Feuer braucht.

Noch eine Anregung: Atme ab und zu ganz bewusst so tief, als ob du rauchen würdest. 

Was übrigens auch oft geraten wird: Möglichst vielen Leuten zu erzählen, dass man mit Rauchen aufhört. Wüsste ich jetzt auch nicht, wozu. Denen allen Macht über dich geben? Das mit der Selbstermächtigung hatten wir ja schon und ich glaube nicht, dass es nützlich ist, wenn die Nachbarin im Stiegenhaus nach dem Stand des Aufhörens fragt. Sag es doch einfach den wichtigsten Menschen und fertig. 

Aufhören zu rauchen kann also sehr einfach sein, wenn man kein großes Drama draus macht. Ich würde dir die Daumen drücken, dass du es auch schaffst, aber du brauchst meine Unterstützung nicht dazu. Lies sonst nochmal das mit der Selbstermächtigung 🙂


Bild Aschenbecher by Markus Spiske from Pixabay

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