Vorsicht vor Spruchbildversendern

Es war eine Weile recht lustig und niedlich. Vor vielen Jahren. 2004 oder 2005? Die Mehrheit wusste nicht, wovon geredet wird, wenn jemand „Facebook“ sagte und die Plattform sah anfangs recht dürftig aus. Im Grunde gab – und gibt – es nichts derart elementar Wichtiges, das die Registration im verbreitetsten „sozialen“ Netzwerk rechtfertigte.

In den Anfängen sassen die User vorm PC wie die Katze vorm Mauseloch, um auf keinen Fall zu verpassen, wenn einer ihrer vier „Freunde“ (zwei Arbeitskollegen, der Chef und eine frühere Schulkollegin) einen Gruß schrieb. An diese angenehmen Leerzeiten werden sich die jüngeren User nicht mehr erinnern. FB war kein Vergleich zu Stand 2021. Irgendwann in dieser Zeit muss einer gelangweilten Hausfrau, die sich Digital Scrapbooking* selber beigebracht hatte, diese schöne Leere auf den Kopf gefallen sein. Sie bastelte das allererste Spruchbild zusammen. Alleine mit dem Ziel, dieses auf FB zu posten, weil sie doch dringend etwas Wichtiges sagten wollte, aber nichts dergleichen in ihrem Leben existierte. Es ging darum, Aufmerksamkeit zu erlangen und um virtuelles Rückgeknutsche und es funktionierte. So machte sie weiter damit, Bilder zu posten mit Blümchen und Teddys und lachenden Kaffeebecherchen.

Spruchbilder wurden für Leute geschaffen, die nichts zu sagen haben

Das ist bis heute so. Aber langsam ist genug damit, nicht wahr? Seit 15 oder mehr Jahren gibt es diese verflixten Knuddelfrösche, die einen schönen Tag wünschen oder nur mal Hallo sagen. Der Witz dran ist, dass es den Versendern schnurzpiepegal ist, ob man einen schönen Tag hat oder nicht. Hauptsache, sie haben das Ding weiter an alle Kontakte weitergeleitet und in jeder Gruppe über jede bei ihnen installierte App gepostet.

Glaubt mir, euer Befinden interessiert diese Menschen nicht im Geringsten. Probiert es einfach aus. Ich habe den Test gemacht. Eine Weile lang habe ich diese Bilder beantwortet mit Echtworten. Bild kam: „Huhuuu, wollte schnell gucken, wie es dir geht“. Ich antwortete ehrlich und mit echt getippten Sätzen. Im Prinzip die beste Art, diese Spruchbildversender zum Schweigen zu bringen, denn daraufhin kommt NICHTS mehr. Das solltet ihr euch mal reinziehen. Diese Leutchen versenden niedliche Botschaften an euch, ohne sich für euch zu interessieren.

Dem Phänomen ist eine irische Wissenschaftlerin nachgegangen:

Ihr müsst euch die Mühe nicht machen, nach einer Uni Firgrove zu suchen und auch nicht nach Reena Charcolla, denn Firgrove ist irgendein Kaff auf der grossen Insel und der Name der guten Frau ist von meinem eigenen Namen abgeleitet. Das Ding da oben ist nichts als ein Fake (genau wie die Spruchbilder, die mir nicht ernsthaft einen guten Tag wünschen, hihi). Ich wollte damit erreichen, dass meine Kontakte damit aufhören. Es hat nicht funktioniert. Okay, bei manchen drei Tage lang, dann ging es wieder weiter. Fail. Deshalb versuche ich es jetzt mit der Gewinnung der großen Maße.

Regeln für Spruchbilder

  • Schick MIR keine Sprüchebilder
  • Wenn du MIR was sagen willst, schreib MIR persönlich
  • Poste nicht das gleiche Bild in alle Gruppen

Hier, bitte, vielleicht hilft die grässliche Grafik mal einem von euch:

Und auch noch das komplette Teddybild zur freien Verwendung. Das Teddybild stammt von congerdesign auf Pixabay, den Rest habe ich drauf gepappt:

Feindbild Spruchbilder

Wieso triggern mich die Dinger so? Mein Handy ist ein Werkzeug für mich. Ich benutze es zur Kommunikation mit Kunden und mit Lieblingsmenschen. Wenn das Gerätchen bimmelt, nehme ich das ernst, auch um 01.34 Uhr morgens. Und wenn dann dann nur jemand ein Kakao schlürfendes Engelchen gesendet hat, rege ich mich auf.

Dann noch zu wissen, dass dieses Ding gar nicht an MICH gerichtet ist, sondern an alle 361 Kontakte geschickt wurde, non merci. Ich selber habe in letzter Zeit viele Kontakte gelöscht. Nicht nur wegen Spruchbildspams, aber auch. Ich will keine oberflächlichen Beziehungen. Ah ja, fällt mir eben ein: Tatsächlich hatte ich Facebook schon monatelang deaktiviert, weil meine damaligen „Freunde“ sich gegenseitig überboten haben mit dem Posten dieser schwachsinnigen Dinger.

Schon mal an die Umwelt gedacht? Ich habe grad keine Lust, Zahlen zu recherchieren, aber ist es irgendwo in den Köpfen, dass Handys, Speicherplatz, Rechenzentren, Strom etc. etwas mit dem Planeten Erde machen? Ich hoffe sehr, dass sich niemand als Öko bezeichnet, der diese Dinge alle nutzt.

Und bitte: Wer mich gern hat, kann das doch auch einfach mal so ins Handy tippen und sich dann auch über eine Antwort freuen. Sonst hätte ich hier die Vorlage für Copy&Paste: Hey, Verena, ich freue mich, das es dich gibt!

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