Zeitdiebstahl

Gut, derzeit könnte mir die Zeit gestohlen bleiben und zwar habe ich Stand heute 3 Monate und 4 Tage zu verschenken. Aber aufs ganze Leben gesehen, finde ich es nicht in Ordnung, wenn mir andere Leute meine Zeit stehlen.

Die Lebenszeit ist ja offensichtlich begrenzt. 80 Jahre mögen uns lang vorkommen und unter Umständen sind sie das auch. Wenn nun aber alles stimmig ist, mit der richtigen Partnerseele an der Seite, zerrinnt die Zeit zu schnell.

Aus Menschensicht ist Zeit eine Qual. Sie verursacht Druck oder lässt Warten schier unerträglich erscheinen. Manchmal spielt sie uns in die Hand. Oft passiert das, wenn wir selber zuwenig Eier haben, um Dinge zu klären. Dann – manchmal – lösen sich Angelenheiten von selber mit etwas Geduld. Nur sind sie in dem Fall selten 100 % richtig. Wie ich meine Zeit verbringe, ist meine Sache. Sie gehört alleine mir und ich entscheide, mit wem ich sie teilen mag. Mit jedem gelebten Monat wache ich besser über dieses Gut.

Mir scheint, dass sich die Zeitdiebe in den letzten zwanzig Jahren massiv vermehrt haben. Zeitfresser gab es schon immer. In aller Regel sind das Vorgänge, die wir nicht gut genug durchdacht haben oder denen wir uns freiwillig aussetzen, wie TV oder Games. Zeitfresser lassen sich an die Zügel nehmen. Braucht nur etwas Disziplin oder Konzentration. Vielleicht muss man eine Tätigkeit noch üben oder sich besser darüber informieren. Aber es ist in den Griff zu bekommen.

Das ätzende Übel sind die Zeitdiebe. Alle reden davon, wie kostbar Zeit ist. Zeit ist Geld, jaja, man kann’s auch so sehen. Für mich und unzählige andere Menschen ist Zeit LEBENSzeit und die gehört uns, gefälligst. Wenn wir nicht aufpassen, klauen uns die Dreisten unsere wertvolle Zeit.
Innert einer Woche gehen locker drei Stunden meiner Zeit in deren Tasche, sollte ich mich nicht auflehnen und die Klauerei abstellen.
Haltet mal sieben Tage lang auf einem Zettel fest, wer wie viel von eurem wichtigsten Gut einfach beansprucht.

  • Werbeanrufe. Jeder kostet mich 45 Sekunden mit wegdrücken und blockieren.
  • Mails wegen Affiliate (andere Baustelle, nicht das Raffin.at). Nein, ich will deren Hundefutter nicht verkaufen und das steht auch schon auf der Homepage. Aus Höflichkeit beantworte ich die Mail auch noch anständig, es geht immerhin um mein Geschäft. 10 Minuten futsch.
  • Die Nachbarin, die wegen jedem Problemchen bei mir klingelt, obschon der Hausmeister auf der gleichen Etage wohnt wie sie und ich sie dann doch immer zu dem schicke. Schon das sechste Mal, seit die hier wohnt. Jedes Mal ca. acht Minuten, bis ich die wieder los bin.
  • Leute, die den von mir gemieteten und somit bezahlten Parkplatz einfach benutzen, obschon er als vermietet beschriftet ist. Konsequenz davon: Ich muss mein Auto auf einen Platz hinstellen, wo ich nicht soll und dann die ganze Zeit lauern, bis der Idiot meinen Parkplatz räumt, um meinen Wagen umparkieren zu gehen. Das ist zum Kotzen. Minus 8 Minuten ohne Lauerzeit.
  • Als Antwort auf eine E-Mail mich anrufen. Wieso? Wenn ich das Gefühl hätte, ein Telefonat wäre für das Thema angepasst, würde ich telefonieren. Es kostet mich weniger Zeit, eine Mail zu schreiben, als mir noch unnötigerweise anhören zu müssen, dass Frau Meier ein neues Fahrrad hat. Ich will als Antwort ebenfalls eine E-Mail, die ich genau dann lesen kann, wenn ich Zeit habe. Nur weil ich gerade Zeit zum Mailen hatte, habe ich nicht automatisch Zeit zum Kabeln. Wahrscheinlich arbeite ich gerade alle E-Mails ab. Und vielleicht will ich die Antwort auch gerne schriftlich haben. Minus mind. 10 Minuten. Ich bin schlecht darin, Telefonate abzuklemmen.
  • Mir Spruchbilder schicken. Zieht meiner Lebenszeit gerundet 1 Minute ab, vom Aufregen und dem Gefühl, nicht wertgeschätzt zu sein, ganz abgesehen.
  • Diverse Regierungen stehlen mir derzeit Lebenszeit mit den nicht enden wollenden Corona-Maßnahmen. Weil die zwanghaft an dem Unsinn festhalten und weiter Hysterien schüren, kann ich meine Zeit nicht mit den Menschen verbringen, die mir wichtiger sind als alles andere. Ich habe die Schnauze voll davon und auch von der bescheuerten Aufwiegelei mit dem Impfen.
  • Nochmal Covid. Hin und wieder ist mir danach, einen Blick auf Newsportale zu werfen. Was seit über einem Jahr noch nerviger ist, weil ich erst bis zuunterst an die Seiten scrollen muss, weil oben alles voll ist mit den ewiggleichen Meldungen.
  • Die Tratschweiber, die mit ihren Einkaufswagen vor dem Kühlregal stehen. Nein, sie können nicht woanders quatschen, sie müssen allen im Weg sein. Bis die zur Seite gehen = minus 90 Sekunden.

Und noch mehr. Alle kennen das, ausser vielleicht die Leute, denen so langweilig ist, dass sie um jede Ablenkung froh sind. Ich will selber entscheiden, wem ich meine Zeit schenke. Das sind im Privatleben nur mehr sehr wenige Menschen. Wenn ich aber meine Lebenszeit teile, dann tue ich das von Herzen gern.

Es ist eines der Anliegen dieses Blogs – bewussteren Umgang mit anderen Seelen pflegen. Lasst uns bitte gegenseitig mit der Zeitklauerei aufhören, damit wir Lebens- und Liebenszeit gewinnen, die wir mit den Herzensmenschen verbringen können. Dazu sind wir auf die Welt gekommen, um mit ihnen zu genießen und bestimmt nicht, um uns mit der Impertinenz anderer Leute rumzuschlagen.

Bild Bahnhofsuhr von slightly_different auf Pixabay

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