Kenne deine Grenzen – Teil 1 – Grenzen respektieren

Wie selbstverständlich überschreitest du Grenzen? Wie viel Respekt zeigst du gegenüber anderen Lebewesen?

Ich spreche nicht von den eigenen Grenzen, die es zu erweitern gilt, um uns persönlich zu entwickeln. Es geht um Mitmenschen und MitTiere. Wie häufig trampelst du in ihr Reich? Wie viele Blumen magst du in ihren Gärten schon zertreten haben?

Wenn du nicht schon seit du denken kannst, ein besonders respektvoller Mensch bist, hast du in deinen gesamten bisherigen Lebensjahren bereits komplette Rosengärten zerstört. Es ist eine Unart der unbedachten Gesellschaft. 

Magst Beispiele haben, nehme ich an. Die bekommst du. 

Du überschreitest die Grenzen deines Gegenübers jedes Mal, wenn du zu ihm sagst: “Du bist … / Du hast … / Du kannst (nicht) … Das ist nicht für unsereiner …”. 

Hör auf damit! Du hast kein Recht, über jemanden zu urteilen oder ihn zu manipulieren mit deinen Äusserungen. 

Worte haben Macht, auch wenn dir das nicht bewusst ist und sie können etwas anrichten. Jeder nickt eifrig, wenn es darum geht, dass Kinder fürs Leben verinnerlichen, wie ungeheuer blöd sie sind laut ihren Eltern. Das macht man aber nicht, mit seinem Nachwuchs so zu reden, ui ui, das ist so pfui.

Vielleicht warst gerade du so ein Kind und nagst immer noch an den Folgen der Dummheit (Bewertung 😉 )deiner Eltern. Oder du hast es da raus geschafft, trotz der damaligen Hirnwäsche. Dass solche Äußerungen mit Kindern nachhaltig etwas machen, streitet wohl niemand ab. Wir finden es verwerflich, mit einem Schutzbefohlenen so unachtsam umzuspringen.

Interessant, dass so viele Leute genau das mit Erwachsenen machen. Egal wer, solange die Person in der Hierarchie nicht zu weit über einem selber ist, wird gestempelt. 

  • Du bist immer so langsam.
  • Das passt wieder zu dir!
  • Mit dir muss man sich ja schämen.
  • Frau Meier soll das machen. Sie können das doch nicht. 
  • Typisch du.
  • Mach dich nicht lächerlich.

Prinzip verstanden, denke ich.

Es ist nicht egal, wie du mit dir selbst umgehst und noch viel weniger, was du mit anderen machst. Indem du einem Lebewesen deine unwichtige und ungefragte Bewertung aufdrückst, gibst du ihm zu verstehen, dass es dir nicht gut genug ist. 

Ich nehme an, es ist schon klar, dass es nicht um “Du bist so süß, ich liebe dich!” geht ♥ Solange es von Herzen kommt und kein verlogenes Spielchen ist. 

Positive Etikettierungen sind eher selten, aber genau so wirksam wie die schädlichen und mitunter ebenso subjektiv.
Es ist möglich, das Verhalten einer Person mit Worten zu verändern, was in den wenigstens Fällen vom Opfer bemerkt wird. Am Menschenversuch habe ich miterlebt, wie aus einem Mitarbeiter, der sich nichts zutraute, der Lord seiner Abteilung wurde, weil drei Leute zusammen spannten und ihm immer wieder sagten, wie gut er sein Ding macht. 

Bewerten, etikettieren, stempeln – es ist Manipulation, gewollt oder nicht. Mit Worten werden Menschen abhängig gemacht, regelrecht entmachtet. Ist es dein Ziel, Menschen so zu verändern, wie es dir passt? Magst du, dass man dir das Gleiche antut? Es ist doch vollkommen irrelevant, was andere von dir denken und umgekehrt. 

Wieso hattest du heute oder vorgestern das Bedürfnis, jemandem zu sagen: “Du bist …”? War das ein Stempel? Hattest du das Recht dazu? Eher nicht, außer es wäre ein messbarer Fakt gewesen. “Du bist 20 Minuten zu spät.” = messbar = objektiv. Wenn es nicht objektiv war, überlege dir doch, wie du es künftig schaffst, darauf zu verzichten. 

Ich fasse zusammen: Niemand hat das Recht, einem anderen Lebewesen einen Stempel auf die Stirne zu klatschen.

Grenzen haben zwei Seiten

Du sollst also nicht im Garten deiner Mitlebewesen herumtrampeln. Dich geht genau an, was deine Wenigkeit betrifft. Und nun frag dich doch bitte mal, wer seit deiner Ankunft in diesem Leben mit der Planierraupe über deine Blumenbeete getuckert ist. 

Wenn du dich beschreibst, wie viel ist dann wirklich von dir und was alles ist von Planierraupenfahrern? Denkst wohl im ersten Moment, dass du dich kennst. Bist sicher?

“Ich kann den Leuten richtig auf die Nerven gehen.” “Ich bin humorvoll.” “Ich kann das nicht alleine.” “Ich bin so, so und so.” 

Ich bin nicht ganz sicher, ob ich mit diesem Text rüberbringen kann, was ich will. Verstehst du, dass diese Dinge, die du über dich sagst, vielleicht ursprünglich nicht auf deinem Mist gewachsen, sondern dir von Unbefugten eingeimpft wurden? Prüf das doch einfach mal. Wenn es nicht von dir ist, ist wegwerfen eine gute Idee. Und neu definieren. Wie willst du denn sein? Möchtest du intelligent sein? Besonders geschickt? Unbeschwert? Dann sag das auch so! Viel Freude beim neu Erfinden deiner Selbst!


Bild Stacheldraht von Verena Kohler

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